De Zeven Provincien - Admiral de Ruyters Flaggschiff, 1:100, Seahorse-Verlag

  • Aye Bonden, gute Arbeit.

    Ich habe die stehende Part der Seitentakel jeweils etwas länger gemacht, um nicht mit dem Laufenden der Rahen und ggf. den Schwichtungen in Konflikt zu kommen. Ich habe in die stehenden Parten Kauschen eingezeist, und in diese jeweils die oberen Blöcke eingebunden und die Enden gezeist.
    Dabei habe ich je Untermast einen Zug mit einem Zweischeibenblock ( unten ) und einem Violinblock oben, und einen Zug mit einem kräftigen Einscheibenblock ( oben ) und einem darunter laufenden Zug mit Zweischeibenblöcken getakelt. Das entsprach nach längerem Suchen den Angaben von Hoving und Anderson, und erschien mir ganz plausibel. Vor allem die zweite Variante, so zeigte es sich beim Versuch ist durchaus geeignet einen etwas aus der Richtung gekommenen Mast problemlos ins Lot zu Trimmen.


    Im übrigen gesagt, Takeln ist eine der interessantesten Arbeiten am Modell. Nicht nur das Ausweben der Wanten ist eine Geduldsarbeit, auch das Takeln von ( im Fall der Witsen ) mehr als 230 Blöcken mit ihren Seilen, bedarf einer gewissen Geduld und Ausdauer. Aber nun ja bei Handwerksarbeit geht nichts ohne beides, Beharrlichkeit und Ausdauer. Können wäre auch ganz gut.

    So, Schluß mit der Handwerksphilosophie, auf der Witsen sind noch etliche Restarbeiten zu machen.

    Cheers! Angarvater

    To the optimist, the glass is half full.
    To the pessimist the glas is half empty.
    To the engineer, the glass is twice. As big as it needs to be.

  • Angarvater Unsere Schiffe sind zwar aus der selben Epoche, aber eben doch recht unterschiedlich. Würde ich die ZP im selben Maßstab wie du dein Pinassschiff bauen, bräuchte ich vermutlich einen doppelt so großen Keller wie du ihn hast. fr21 Gleichwohl schaue ich immer wieder in deinen Baubericht, wobei ich ehrlich zugebe, dass ich an der einen oder anderen Stelle denke: Ja, prima - aber nicht im Maßstab 1:100 - da muss ich andere Lösungen finden bzw. den Mut zur Lücke haben. :pf:

    So, die Wanten des Fockmastes stehen!

    Und gleich ging es weiter mit dem Fockstag. Das habe ich mir aus 3 x 0,75 mm Tau geschlagen, dann im Bereich des großen Auges gekleedet, dabei gleich mit Maus mit "draufgekleedet", das kleine Auge geformt und mal probeweise angehalten. Jo, schaut schon gut aus.

    Den Stagkragen hab ich auch gleich mit gebaut und angebracht. Wie immer habe ich die Taue dann mit Beize gefärbt und schließlich alles am Schiff angebracht. Die (noch nicht komplett gebaute) Plattform habe ich probehalber mal lose aufgelegt, um zu schauen, ob sie noch passt. Ja, da habe ich also alle Wantpaare ordentlich aufgelegt, so dass die rechteckige Öffnung prima drüber passt.

    Als nächstes werde ich die Marsplattform fertig bauen und dann final anbringen.

  • Bonden Da gebe ich dir recht. Dein Schlachtschiff in 1:48 zu bauen ergäbe schon einen ordentlichen Brocken. Das ist auch der Grund, weshalb ich mich nach der Agamemnon, in 1:64, mit 1,45m, schon ein ziemliches Teil, an die Kähne in 1:48 gemacht habe. Kleiner und mit vielen für mich schönen Details, wie z.B funktionierenden Blöcken, zu bauen.

    Aber wichtiger: deine Seile machen sich sehr gut in der Takelage, und die Idee mit dem Färben ist große Tennis.

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  • Für mich steht die Arbeit mit Holz im Vordergrund. Um das Spantgerüst möglichst detailgetreu bauen zu können, habe ich mich mit 1/36 für einen großen Maßstab entschieden. Selbst bei den kleinen Vorbildern kann ich die Modelle nur ohne Takelage bauen. Daher freue ich mich umso mehr über Eure Darstellung zur Takelung der Modelle.

    Gruß Christian

    "Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."

  • Ja, das Takeln... Macht Spaß, also mir jedenfalls. Meistenteils. Aber es gibt so Momente... Heute war so einer:

    Als nächstes werde ich die Marsplattform fertig bauen und dann final anbringen.

    Also versuchte ich herauszufinden, welche Blöcke ich ggf. noch unter der Plattform anbringen muss. Dafür habe ich mich dann mit allen Abbildungen, die in diesem Bausatz als Takelplan herhalten müssen, befasst. Es bleiben mehr Fragen als Antworten. Das hier ist nahezu alles, was die Bauanleitung zum Thema Takeln hergibt.

    Was zum Beispiel völlig fehlt, ist ein Belegplan. Kleines Beispiel: Man erkennt mit Blick auf zwei der vier gezeigten Blätter, dass das Tau 49 zu den Topnanten der Fockrah gehört. Wo aber der Läufer, also das lose Ende, befestigt wird, verschweigt die Anleitung. Und das ist jetzt nur eins von vielen Beispielen - im Prinzip gilt das für so ziemlich alle Taue vom laufenden Gut. Da kann man dann schon mal verzweifeln, selbst wenn man nun wahrlich kein Takelnovize mehr ist.
    Und die Frage, wo denn nun die Hahnepoten befestigt werden, hatte ich hier zwar schon mal aufgeworfen, wollte aber an der Stelle auch Klarheit haben, damit ich nicht ggf. an völlig falscher Stelle weitere Löcher in die Marsplattform bohre. Wie bereits geschrieben - die Bauanleitung schweigt sich auch hier beharrlich aus.

    Aber Verzagen ist keine Option, also habe ich mich auf die vielen hier vorhandenen Fachbücher besonnen und gleich mal mehrere davon aus dem Regal gezogen und darin geblättert. Gepriesen sei die Blaue Reihe! Es waren dann gleich 4 Bände, die mir neben dem weiter vorn schon benannten Winter-Buch zum holländischen Zweidecker Hilfe brachten. "Wappen von Hamburg I" von W. Quinger, "Prins Willem" von H. Ketting, "Risse von Schiffen des 16. u. 17. Jh." von Hoeckel u.a. und vor allem "Modellbau von Schiffen des 16. und 17. Jahrhunderts" von R. Hoeckel halfen und gaben teilweise Antworten auf Fragen, die ich noch gar nicht gestellt hatte. Das Schöne daran ist auch, dass diese Bücher alle ausschließlich oder überwiegend kontinentale Schiffe beschreiben - wir wissen ja, dass es da schon einige Unterschiede zur englischen Bauweise gab.

    Zuerst mal zu den Hahnepoten: Auf diesen 3 Bauplänen verschiedener Schiffe erkennt man eindeutig, dass die Hahnepoten durch Löcher im unteren Marsrand und nicht im Geländer geführt werden. Und die Abbildung ist auch eindeutig.

    Und das Modellbaubuch von Hoeckel ist ein Schatz! Detaillierte Zeichnungen, genaue Beschreibungen und ein wunderbarer Belegungsplan, aufgeteilt auf Vorder- und Rückseite eines Bogens gaben mir die Vorfreude auf das weitere Takeln zurück. Also gleich mal die Rückseite kopiert und so beide Seiten hinter mir an die Wand gepinnt.

    Da kehrt doch die Freude auf das weitere Takeln sofort zurück! Also dann - weiter geht's. :huzzah::sun::wink:

  • Ich habe das Buch von Hoeckel vor wenigen Augenblicken auch in unsere Bibliothek gestellt. Einen Aspekt möchte ich dabei aber mal hierher holen, da ich ihn für meine Arbeit an meinem Modell für sehr wichtig halte.
    In dem Buch gibt es u.a auch zwei Tabellen zu den Taustärken des stehenden und laufenden Gutes.

    An der Stelle fragt man sich vermutlich, wie das gehen kann, da der Autor in seinem Buch kein bestimmtes Schiff im Blick hat. Nun, es geht in dem Buch auf jeden Fall immer um Dreimaster. Und dann hat der Autor hier ein recht einfaches Verfahren zur Berechnung der erforderlichen Taustärken: Beim stehenden Gut lautet die Berechnungsbasis "Großstagdurchmesser gleich 0,166 Großmastdurchmesser an Deck". Der lässt sich am konkreten Modell sicher leicht ermitteln. Beim laufenden Gut ähnlich, hier heißt es "Großstagdurchmesser gleich 1".

    Machen wir also mal ein Rechenbeispiel und ermitteln die Taustärke für die Pardunen der Marsstenge des Fockmastes meiner Zeven Provincien: Für diese steht in der Tabelle der Wert 0,20. Der Großmast hat im Modell an Deck einen Durchmesser von 9 mm. Das also mal 0,166 genommen ergibt 1,494. Das nun wiederum mal 0,2, und ich weiß, dass ich für die Pardunen ein Tau von knapp 0,3 mm Durchmesser benötige. Nun, wenn ich mir ein Tau aus 3 x 0,1 mm schlage, habe ich meine Pardune! Und mit Blick auf mein Modell finde ich, dass das auch gut hinkommt.

    Übrigens: Das Großstag ist in der ersten Tabelle mit dem Wert 1,00 angegeben. Heißt also, dass mein Großstag nach obiger Formel 1,494 mm dick sein muss. Da runde ich großzügig auf und habe mit 1,5 meine Berechnungsbasis für die Taue des laufenden Gutes. So ergibt sich für die Topnanten der Großrah eine Taustärke von knapp 3 mm.

    Ich bin begeistert! :huzzah:

  • Der Höckel hilft da schon etliches weiter, während die anderen Autoritäten doch in etlichen Punkten sich widersprechen oder sich ausschweigen Ich habe den Anderson meistens als Grundlage zum Vergleich mit Mondfeld, Hoving und hilfsweise Kirsch benutzt. nur wo die Läufer auflaufen wird in den meisten Fällen nicht dargestellt.


    Aber wie ich sehe machst du das mit guter Sorgfalt und Überlegung. Kirsch, in „die Galeonen“ weist darauf hin, dass man lange Zeit die Seile der Obertakelungen nicht an Deck bediente, sondern auf den Marsen der Hauptmasten auflaufen ließ, und wohl auch dort bediente. Das habe ich dann bei allen meinen Schiffen des 16. und 17. Jahrhunderts so umgesetzt.

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    Edited 3 times, last by Angarvater (February 20, 2026 at 11:33 AM).

  • Kirsch, in „die Galeonen“ weist darauf hin, dass man lange Zeit die Seile der Obertakelungen nicht an Deck bediente, sondern auf den Marsen der Hauptmasten auflaufen ließ, und wohl auch dort bediente. Das habe ich dann bei allen meinen Schiffen des 16. und 17. Jahrhunderts so umgesetzt.

    Danke für den Hinweis - da werde ich dann später mal schauen, ob sich das bei meinem Modell auch anbietet.

    Heute ging es erstmal weiter mit der Fockmarsplattform. Da habe ich ein wenig freihändig konstruiert, um die richtige Position für die Löcher der Hahnepoten zu finden. Dann wurde die Plattform in den Schraubstock gespannt und die Proxxon angesetzt, erst danach habe ich die Rippen aufgeklebt. Ob dann die Hahnepoten so aussehen wie ich mir das gedacht habe wird man später sehen. Das Geländer kam ran, dann wurde der Pinsel geschwungen. Schon mal zur Probe auf die Saling gelegt - ja, sieht gut aus.

  • Weiter geht es mit der Plattform. Die wurde nun endgültig angebracht; vorher habe ich an die vorderen Enden der beiden Längssalinge noch Blöcke für die Toppnanten angestroppt. Und dann ging es an die Hahnepoten. Das Teil, durch das das lange Tau dafür immer wieder geführt wird, ist der Spinnenkoben. Der ist hier glücklicherweise als 3D-Druck vorhanden, ein Winzling von nicht mal 8 Millimeter Länge, mit vier Löchern, durch die man gut ein 0,1mm starkes Garn bekommt. Den habe ich in ein Stück Tau eingebunden und am unteren Ende mit einem 2mm-Block versehen. Ein weiterer 2mm-Block wurde an das Stag gelascht - die bilden dann das Taljereep, mit dem das Gebilde am Ende straff gespannt wird. Dann wird ein langes Stück 0,1mm-Takelgarn an einem Ende mit einem Knoten versehen und dann von unten durch das am weitesten hinten liegende Loch in der Marsplattform gefädelt. Oben raus, unter dem Geländer zum Spinnenkoben, da durch das dem Stag am nächsten liegende Loch, zum hinteren Loch auf der anderen Seite der Marsplattform, von oben, aber natürlich wieder unter dem Geländer durch. Dann unter der Plattform zum nächstgelegenen Loch, von unten durchfädeln, zum Spinnenkoben... und so weiter, bis man schließlich am letzten Loch in der Plattform angekommen ist. Da wieder von oben durch, unten einen Knoten setzen und dann durch geschicktes Ziehen an möglichst allen gefühlt 18 Enden gleichzeitig das Gebilde irgendwann soweit haben, dass es gut aussieht.
     
    Hier sieht es noch ziemlich wuselig aus.

    Aber jetzt:

    Um nochmal die Größenverhältnisse zu zeigen: Die Münze ist ein 5-Pence-Stück.

    An sich ganz einfach, oder? grins1

  • Nachtrag: Da die Hahnepoten zum stehenden Gut gehören, werde ich beim nächsten Mal, wenn ich das Fläschchen mit der dunklen Beize offen habe, das Tau noch nachdunkeln.

    Warum erst nachträglich? Wird es durch die Farbe zu dick zum Einfädeln?:lupe:

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Aye, Bonden, macht sich gut, deine Hahnepote.

    Ich finde, daß diese Teile nicht nur eine Herausforderung sind, sondern der Mars mit ihren vielen Seilen einige Leichtigkeit und Eleganz geben.

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  • Warum erst nachträglich? Wird es durch die Farbe zu dick zum Einfädeln?:lupe:

    Ganz einfach: Ich habe eine große Menge an 0,1er Takelgarn mit einem helleren Braunton gefärbt, da ich diese Garnstärke überwiegend für das laufende Gut brauche. Das Nachfärben mit dem Pinsel geht dann bei den Hahnepoten schneller als da jetzt wieder Extralängen separat zu färben.

  • Es geht folgerichtig weiter mit dem Großmast. Da muss zuerst ein noch ziemlich wie ein Rohling aussehender Rundstab in Form gefeilt und geschliffen werden. Das geht am Schraubstock und mit einer Schlüsselfeile schon sehr gut; das kleine Viereck am Ende passt dann später genau in das Unterteil des Eselshauptes.

    Feines Sandpapier macht dann alles schön glatt. Erst kommen die Mastbacken ran - da messe ich genau, damit später die Salinge gerade aufliegen, die Plattform waagerecht zu Wasserlinie und ebenso waagerecht über Backbord und Steuerbord liegt. Anschließend stelle ich die Saling her, bringe sie an und vergesse auch nicht die Kalben.

    Die Plattform habe ich schon mal angearbeitet; auch da müssen später noch, wie beim Fockmast, die Löcher für die Hahnepoten gesetzt werden. Locker aufgelegt schaut es schon mal gut aus.

    Schließlich wird alles gepönt und mit mattem Acryllack überzogen. Ein erstes Probestellen an Deck überzeugt.

    Im nächsten Schritt werden noch diverse Takelelemente sowie die Wuhlinge angebracht, bevor es dann an das Setzen der Hanger, Wanten und des Großstags geht. Die Taue dafür sind schon alle geschlagen. Ab morgen surrt hier dann erstmal die Kleedemaschine.

  • Ab morgen surrt hier dann erstmal die Kleedemaschine.

    Ok, dieses "morgen" war dann schließlich heute. grins1 Aber davor ist ja dennoch ein wenig passiert. Die Rüstbretter samt Rüstjungfern sind nun auch für den Großmast angebracht, was noch fehlt, sind die Rüsttaue.... ähm, Rüsteisen, die ich aber, wie schon am Fockmast, aus Tauen fertige. Hatte ich das nicht berichtet? Ok, ist aber so. Sowohl die Teile aus dafis Ätzplatinen (zu lang) als auch eigene Versuche mit Drahtbiegen (zu hässlich) passten einfach nicht. Ich hätte es mit Kartonstreifchen machen können - aber ich brauche schon eine feste Verbindung, um eine Gegenkraft zu erzeugen, wenn ich später die Wanten spanne. Und das ist dann der Moment, wo dann doch mal schwarzes Tau zum Einsatz kommt - aber eben nicht beim stehenden Gut. Wobei die Rüsteisen ja auch stehen... Also zumindest laufen sie nicht. fr21

    Wie ich das genau mache, zeige ich später. Heute also wurde gekleedet. Und da das Aufbauen der Kleedemaschine ja immer ein wenig Aufwand erfordert (also nicht wirklich viel, aber sie wird mit zwei Schraubzwingen an der Tischkante befestigt, dann an die Stromversorgung angeschlossen...:huh:), habe ich nicht nur die Wanten und Hanger, sondern gleich noch das Großstag bearbeitet. Und da liegt nun die Arbeit des Abends - links die zwei Taue für die Seitenhanger, in der Mitte 10 Wantpaare, oben das Großstag, hübsch mit Maus, das Auge schon gefertigt.

    Als nächstes dann das Einbinden der Wantaugen, Plattbindselungen und so, dann ab ins Beizebad. Und: Gut, auch mal den eigenen Baubericht zu lesen, weil:

    Im nächsten Schritt werden noch diverse Takelelemente sowie die Wuhlinge angebracht

    Das hätte ich doch fest vergessen! =Ogrins1

    Soviel für heute. :wink:

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