Liest man die Überschriften der Rückseite des Buches, ahnt man erst einmal nichts Gutes:
Eine Dramatische Seeschlacht
Eine tragische Liebe
Ein Mann, der nichts zu verlieren hat.
Nun, zumindest nach dem ersten Drittel des Buches habe ich noch keinen einzigen Fettfleck gefunden, der eventuell von heraustropfendem Schmalz herrühren könnte. Ganz im Gegenteil.
Wir haben hier einen Roman vor uns, der in einer Zeit spielt, in der man noch nicht weiß, dass man bald die "Alte Welt" sein wird und der konkret in der Zeit des Seekrieges zwischen England und der Hanse 1469 bis 1474 angesiedelt ist. Hauptfigur ist die historisch überlieferte Figur Paul Beneke, deutscher Kaperkapitän der Hanse und Ratsherr aus Danzig. Ihm nähern wir uns über den Kaufmannsgesellen Till Landers aus Wismar, den die Wirren eben dieses Krieges erst in englische Gefangenschaft und dann an Bord eben dieses Paul Benekes bringen.
Das Buch ist sehr lebendig und flüssig geschrieben, ich habe heute Nachmittag die ersten 176 Seiten in einem Ritt weggeatmet. Wenn Bücher so riechen würden wie das, was sie erzählen, wäre es oft sehr unangenehm gewesen, und allein beim Lesen meint man, z.B. den Gestank in einer engen, dunklen Gasse einer Hafenstadt zu riechen - eine wilde Mischung aus Rauch, Teer, Schwefel, totem Fisch, menschlichen und tierischen Exkrementen und Ausdünstungen...
Was auf jeden Fall deutlich wird: Der Autor hat offensichtlich viel und gut recherchiert. Davon zeugt u.a. auch ein Dank im Nachwort an einen wissenschaftlichen Mitarbeiter der Forschungsstelle für die Geschichte der Hanse und des Ostseeraums (FHGO) beim Europäischen Hansemuseum Lübeck. Und seine Beschreibung des Lebens an Bord klingt schlüssig, wobei die verwendeten nautischen Begriffe in der wohl damals üblichen Benennung und/oder Schreibweise daherkommen. Nun, bei zumeist deutschsprachigen Quellen bietet sich das ja nahezu an. Ok, als zum ersten Mal die Anker "gesetzt" wurden, stutzte ich etwas. Aber an sich stimmt es ja, man setzt ihn auf Grund. ![]()
Schaut man sich die Vita des Autors an, möchte man sagen: Das wird aber auch Zeit, dass er mal einen maritim-historischen Roman geschrieben hat.
Einige andere historische Bücher aus seiner Feder gibt es bereits.
Ich freue mich auf jeden Fall auf die nächsten 302 Seiten. ![]()
Edit: Ach ja, das hier noch: Link zum großen A