Taue selber schlagen

  • Das Thema taucht ja in einigen Bauberichten in diesem Forum auf; gleichwohl möchte ich an dieser Stelle ein paar Gedanken dazu äußern. Speziell in dem Maßstab, in dem ich zumeist baue - 1:100 oder 1:96 - (die Mercury mit ihren 1:72 war da eine Ausnahme) kann man sich schon die Frage stellen, ob sich der Aufwand wirklich lohnt. Nun, schlussendlich muss man sich als jemand, der/die ein historisches Schiffsmodell baut, diese Frage selbst beantworten. Von mir gibt es an dieser Stelle aber ein eindeutiges Plädoyer FÜR selbst geschlagene Taue. fr18

    Takelgarne gibt es auf dem Markt von vielen Anbietern und in den unterschiedlichsten Qualitäten. Einige davon sind bereits geschlagene Taue - da hat man dann das Rundum-Sorglos-Paket, das aber auch ein paar Gulden mehr kostet als die handelsüblichen Takelgarne der einschlägig bekannten Anbieter.

    Zwei der bekanntesten Anbieter von Takelgarn sind hier im Land Graupner und Amati. Mit Graupner-Garnen bin ich persönlich nicht zufrieden, sie fusseln mir zu sehr und sind oft nicht gleichmäßig in ihrer jeweiligen Stärke. Amati-Taue nehme ich sehr gern - aber eben bevorzugt zum selber schlagen. Ich habe heute für mein aktuelles Projekt, die Zeven Provincien, die Wanttaue und Taue für die Hanger am Großmast sowie das Großstag geschlagen. Meine "aufgepimpte" Reeperbahn dürfte bekannt sein, ich habe sie auch auf meiner Homepage vorgestellt. Dazu nun folgendes Bild:

    Fangen wir mal mit 1 Senkrecht an. Das ist ein Amati-Garn 0,5 mm. 2 Senkrecht haben wir Amati 1 mm.

    Und nun die Waagerechte: 1 Waagerecht ist ein aus 3 x 0,5 mm Amati geschlagenes Tau, 2 Waagerecht ein aus 3 x 0,1 mm Amati geschlagenes Tau.
    Der Unterschied liegt auf der Hand - bzw. auf der Schneidematte. Nun mag man einwenden: "Ja, aber in dem Maßstab sieht man das doch später am fertigen Modell nicht!"
    Nicht zwingend, richtig, man muss schon dicht ran und genau hinschauen. Aber der Gesamteindruck ist mit geschlagenen Tauen auch aus einem Nicht-Kurzsichtigen-Abstand ein anderer. Und man muss keine superdupertolle Hightech-Reeperbahn haben. Wer in größeren Maßstäben und im wirklichen hohen Niveau Modell baut, hat sowas, ok. Aber als James-Normal-Modellbauer tut es z.B. die von Krick für einen schmalen Taler auch, und wenn man dann noch eine Motorunterstützung anbaut, so wie ich das getan habe, spart man sich ggf. Krämpfe in den Fingern und Unterarmen. grins1

    Und es gibt auch andere Varianten - Peter_H hat da mal eine sehr interessante Eigenkonstruktion vorgestellt, die er ja vielleicht nochmal hier in diesen Thread holen kann. ;)fr18

    Fazit: Ich schlage daher alle Taue, die mindestens eine Stärke von 0,3 mm erfordern, selbst. Für alles, was dünner ist, nehme ich dann die für diese Zwecke wirklich guten Amati-Garne 0,1 und 0,25 mm.

    Und weil ich es einige Zeilen weiter oben erwähnt habe: Hier das Tau für das Großstag.

    Das wird dann natürlich noch in den dafür erforderlichen Bereichen gekleedet - aber das ist dann ein anderer Schnack, für den ich eventuell auch mal einen eigenen Thread eröffne. grins1

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