Ein maritimes Wochenende an der polnischen Ostseeküste

  • Ahoi allerseits,

    Jessica Read und ich haben das vergangene - um einen Tag verlängerte - Wochenende in Polen verbracht, genauer gesagt in Gdynia und Gdansk. Auch wenn wir nur von Donnerstag Abend bis Sonntag Vormittag dort waren, gibt es derartig viele Eindrücke zu verarbeiten, dass das nicht nur einen neuen Thread hier im Reisebereich wert ist, sondern auch noch drei neue Einträge bei den Museumsthreads.

    Ich werde in den kommenden Tagen die Fülle an Bildern sichten, die gesammelten Eindrücke verarbeiten und daraus dann ein paar für euch hoffentlich interessante Zeilen, hübsch illustriert natürlich, zusammenstellen, die ja vielleicht dazu animieren, selbst einmal dorthin zu reisen.

    Für's Erste nur so viel: In Gdynia liegt das Dreimastvollschiff Dar Parmoza, dem wir einen Besuch abgestattet haben. Ein wunderschöner Großsegler mit interessanter Geschichte! Und ein maritimes Museum haben sie dort ganz in der Nähe auch noch.

    In Gdansk/Danzig besuchten wir u.a. das Krantor. Allein darüber gibt es viel zu berichten und zu zeigen.

    Und schließlich gibt es gegenüber vom Krantor das hier:

    Ich habe es nach dem Besuch den "Danziger Tammpel" getauft. Warum, erfahrt ihr hier schon bald. Wir sind jedenfalls noch immer total geflasht.

    Für heute schon mal erste Eindrücke ohne weitere Fotos (na gut, bis auf eins):
    Unsere erste Station war Gdynia. Wir hatten nicht nur ein Hotel direkt am Hafen, sondern auch ein Zimmer mit Blick auf die Dar Parmoza.

    Das hat dann schon mal viel Vorfreude auf den nächsten Tag gemacht. Zum Schiff später mehr - Gdynia hat ansonsten nicht wirklich viel zu bieten. Zur Ehrrettung des Ortes muss man erwähnen, dass sie in diesem Jahr 100 Jahre Stadtrecht feiern - bis 1925 war das nur ein Dorf. Insofern darf man dort auch keinerlei schöne Altstadt oder so erwarten.
    Und so sind wir dann am nächsten Tag nach ausgiebigem Besuch des Dreimasters und des Museums bald schon weitergefahren. Kurzer Zwischenstopp in Sopot. Sopot hat eine äußerst wechselvolle Geschichte und ist heute ein wunderschöner Kurort mit Seebrücke und Strandpromenade und allem, was dazu gehört. Gdynia, Sopot und Danzig bilden den Ballungsraum Dreistadt, polnisch Trójmiasto.
    Und dann Danzig. Unser Hotel war direkt im Zentrum. Wir sind angekommen, aus dem Auto gestiegen - und ich war sofort schockverliebt. Was ist das für eine traumhaft schöne Altstadt! :love::love::love: Die Häuser, die Straßen, die kleinen Gassen - boh! So unglaublich schön. Jedes Haus, jeder Pflasterstein atmet Geschichte. Wir wissen jedenfalls, dass wir hier zwar zum ersten, aber garantiert nicht zum letzten Mal waren. Und das absolute Highlight dort ist für so Leute wie uns hier grins1 das Nationale Maritime Museum. Ganz ehrlich: Das steht dem Tammpel in Hamburg in nichts nach, auch wenn es nicht so groß ist. Dazu dann demnächst mehr.

    So, ich hoffe, ich habe euch jetzt neugierig gemacht. ;)

  • Wir sind auf jeden Fall gespannt. Zu Danzig wäre noch zu sagen, dass die Altstadt 1945 zu 90% zerstört war. Was wir heute sehen ist also zu großen Teilen nach dem Krieg rekonstruiert worden. Die von den polnischen Fachkräften dabei gewonnene Expertise wurde u.a. auch in Teilen von Stralsund angewendet.

    Glück hat meistens der Mann, der weiß, wieviel er dem Zufall überlassen darf. (C.S. Forester)

  • Hallo Ihr beiden

    Da Gdynia und Gdansk zu möglichen Zielhäfen meiner im Mai/Juni startenden Frachtschiffreise gehören, werde ich den Berichten besonders aufmerksam folgen, ich freue mich darauf!

    Beste Grüsse

    Peter

  • Dann geht's jetzt los mit dem kleinen Reisebericht.

    Donnerstag sind wir erst abends angekommen, draußen war es schon dunkel. Aber das Licht im Hafen zeigte uns schon die Dar Parmoza. Als wir dann am nächsten Morgen aufstanden und die Vorhänge aufzogen, sahen wir das hier:

    Oha, da hinten liegt ja noch ein Segelschiff - und offenbar ein wesentlich älteres (bzw. eine Replik davon). Spannend! Der Versuchung, schnell das Frühstück hinterzuschlingen, erlagen wir nicht, was auch am wirklich tollen Angebot im Hotelrestaurant lag. Aber dann ging es los.

    Das Vollschiff Dar Parmoza ist eine echte Schönheit. Gebaut wurde sie 1909 - und wie so viele bekannte Großsegler bei Blohm & Voss in Hamburg. Sie lief 1910 als Prinzeß Eitel Friedrich vom Stapel. Ehe sie schließlich als Dar Parmoza 1982 an ihrem jetzigen Liegeplatz im Hafen von Gdynia festmachte, erlebte sie einige Besitzerwechsel und Namensänderungen. Die bemerkenswerteste Episode in ihrem Leben betrifft den Zweiten Weltkrieg. Bei Hitlers Überfall auf Polen war sie von Libau nach Gdingen unterwegs und verlegte kurzerhand nach Stockholm ins neutrale Schweden, wo sie bis Kriegsende blieb - wer weiß, was ansonsten aus dem Schiff geworden wäre.

    An Bord gibt es einen interessanten Rundgang, der zuerst einmal unter Deck führt. Viele reichlich bebilderte Infotafeln, die Texte auf polnisch und englisch, zeigen die bewegte Geschichte des Schiffes.

    Hängematten und die "Stahlfock", wie unser Käptn Raggi auf der Hendrika das nennen würde.

    Die Segellast und die Offiziersmesse.

    Die Kammer des Ersten Offiziers.

    Dann schauen wir mal zur Great Cabin...

  • Die große Heckkabine ist wirklich groß. Da kann man sich als Käpt'n schon wohlfühlen. Und hier tippt der Chef noch selbst!

    Die eigene Pantry.

    So, genug in den Privatgemächern der Offiziere rumgeschnüffelt - jetzt geht es endlich raus an Deck - es gibt schließlich Pflichten zu erfüllen! grins1

    Hier sieht man noch den alten Namen.

    Saubere Planken, alles shipshap.

    Und es gibt noch einen zweiten Ruderstand.

  • Die Länge ü.A. beträgt 81,5 Meter - das ist schon ein gewaltiger Eimer, und man sieht es.

    Am Gangspill habe ich ein paar Runden gedreht, das ging auch mit nur einer Spake ganz gut. Und zack, war der Anker an Deck! grins1

    Das Klüvernetz lädt zum Reinlegen und Träumen ein. Aber der Klang der Schiffsglocke mahnt einen wieder an die Pflichten.

    Fazit: Absolut lohnenswert war dieser Besuch! Für alle Polen-Reisenden aus diesem Forum sollte das eine Pflichtadresse sein. fr18:sun:

    Und nun schauen wir mal, was es mit diesem geheimnisvollen Schiff da hinten auf sich hat.

  • Das wäre wohl selbst Disney zu viel

    Ein Ding, was eindeutig ins maritime Kuriositätenkabinett gehört. fr21 Da haben sich ein paar Freaks aber mal richtig ausgetobt. Das Schiff bietet ein Restaurant und es gibt täglich 50minütige Rundfahrten. Das haben wir uns dann aber gespart - mit der Dar Parmoza wären wir sofort mitgefahren...grins1

    Und damit nicht genug - ein Stück weiter fanden wir ein ähnliches, nicht ganz so übertrieben gestaltetes Teil. An dem wurde eifrig gearbeitet - nun, Gdynia ist schließlich seit über 100 Jahren ein bedeutender Werftstandort in Polen.

    Es sollte übrigens nicht das letzte Gefährt dieser Art gewesen sein, dem wir auf unserer kurzen Reise begegneten...grins1

  • Nur wenige Gehminuten entfernt steht dann dieses Gebäude:

    Ein eher kleines Marinemuseum, in dem der Schwerpunkt deutlich auf den etwas moderneren Dingen liegt. Aber dem Thema Segelschifffahrt ist auch eine Etage gewidmet. Mehr dazu in einem neuen Thread im Museumsbereich.

    Und so verließen wir dann auch bald Gdynia und fuhren in Richtung Gdansk, nicht ohne im schönen Sopot einen kurzen Zwischenstopp einzulegen. Sopot ist sowas wie das Kühlungsborn der polnischen Ostseeküste. Wunderschöne Strandpromenade, Seebrücke, große Kurhäuser, viele Gaststätten, viel Strand, viel Menschen. Hier kann man sich ganz bestimmt wunderbar erholen. Und einen schönen Leuchtturm haben sie auch. grins1

    Nun aber schnell rüber nach Gdansk! Darüber berichte ich dann morgen. :wink:

  • Das wäre wohl selbst Disney zu viel

    Ein Ding, was eindeutig ins maritime Kuriositätenkabinett gehört. fr21 Da haben sich ein paar Freaks aber mal richtig ausgetobt.

    Black Pearl meets Neptun (Das Teil aus Roman Polanskis Piraten) :re:

    Ha ... Hmm ...

  • Die Gegend steht 2027 auf meiner Liste, denn in der Nähe findet das World Scout Jamboree mit ca 40000 Pfadfindern im Sommer statt.

    Danke für die Impressionen.

    Aga

    Gentlemen, when the enemy is committed to a mistake, we must not interrupt him too soon.

    Adm. Horatio Nelson

  • Nun also Gdansk. Nach ziemlich nerviger Autofahrt (fast eine Stunde für 14 km - voll die Rush hour erwischt) parkten wir endlich ganz in der Nähe vom Goldenen Tor, einer der "Eingänge" zur historischen Altstadt. Und dann geht man durch dieses Tor und ist einfach nur geflasht. Wunderschöne Häuser, alle im Top-Zustand, eine breite, autofreie Straße, und auf den ersten Blick auch sehr sauber.

    Bild 4 zeigt in der Mitte unser Hotel, 2. Etage die Fenster unseres schmucken Zimmers. Schon der erste Eindruck machte also schon mal Lust auf diese Stadt. Aber erst einmal musste für das leibliche Wohl gesorgt werden. In einem urigen Lokal gab es leckeres Essen, leckeres Bier und als Draufgabe auch noch ein paar Schiffsmodelle. fr18

    Beim abendlichen Bummel fotografierten wir dann nur mit den Augen. :sun:

    Am nächsten Tag ging es dann auf große Erkundungstour..

  • Gleich in der Nähe steht ein imposantes Gebäude, das Große Zeughaus. Früher diente es als Waffenarsenal. Direkt gegenüber findet sich das Peinkammertor, der Name ist Programm für das Geschehen in früherer Zeit. Folterkammer, Zuchthaus, Gerichtsgebäude, Hinrichtungsstätte - man rühmte sich, dass es nie jemand geschafft hat, dort auszubrechen. Nimm das, Alcatraz! grins1

    Schauen wir lieber nach angenehmeren Orten. Eine wunderschöne Straße ist die Frauengasse (Mariacka). Man entdeckt viele schöne Details, links und rechts bieten kleine Läden und Boutiquen Schmuck und verschiedene Kunstgegenstände an. Ein malerischer Ort zum Bummeln und Schauen.

    Am Ende kommt man durch das Frauentor zur Mottlau, und da wartet dann auch schon ein ganz besonderes Gebäude auf uns.

    Richtig, das weltberühmte Krantor. Dazu mehr im folgenden Posting.

  • 1336 wurde der erste Vorgänger des Tores gebaut; nach einem Brand wurde das Tor dann 1444 in seiner jetzigen Form neu gebaut. Im WK II stark zerstört, wurde es wieder originalgetreu aufgebaut. Das Krantor diente zum Be- und Entladen von Frachtschiffen und -booten. Um die schweren Lasten bewegen zu können, befinden sich im Inneren zwei große Treträder mit einem Durchmesser von 6,5 m. Man kennt das aus dem Hamsterkäfig - aber hier mussten Männer ins Rad - wahrlich kein Traumjob.

    Heute kann man sich die Konstruktion staunend anschauen, in den Gebäudeteilen links und rechts des Hebewerkes ist ein wirklich interessantes Museum untergebracht, welches das Krantor und seine Geschichte, aber auch den Handel, das Steuersystem, den Schiffsbau und das Leben insgesamt in der damaligen Zeit auf unterhaltsame und sehrt lebendige Art zeigt.

    Den Besuch haben wir jedenfalls nicht bereut. fr18

    Nun aber zum nächsten Hotspot...:sun:

  • Da auch Danzig eine mögliche Station sein wird, werde ich mir auch diese Berichte merken und ggf. das eine oder andere aufnehmen!

    Vielen Dank für die tollen Eindrücke!

    Beste Grüsse

    Peter

  • So, der nächste Programmpunkt war dann DAS Museum. Dazu schreibe ich jetzt hier gar nichts weiter und verweise auf den neuen Thread im Museumsbereich. Und ganz ehrlich: Wer danach nicht Lust hat, sich das mal vor Ort anzugucken, sollte sich hinterfragen, warum er in diesem Forum ist... fr21 (Ein "Da war ich schon!" zählt nicht - wir wollen da auf jeden Fall auch nochmal hin.grins1)

    Und jetzt:

    Tritt ein in den polnischen Tammpel! :huzzah:fr18:sun::geil:

    Von mir nur im Sinne des Reiseberichts noch soviel: Nach dieser tollen, aber auch unglaublich intensiven Tour durch die fünf Speicher waren wir erstmal platt und brauchten Regeneration. Wie schön, dass gar nicht so weit entfernt eine wundervolle Location beste Möglichkeiten dafür bot! grins1

    Morgen gibt es hier noch ein klein wenig mehr aus Gdansk zu sehen. :wink:

  • Ja, Küstenstädte sind toll, egal wo: Bei mir war es nicht nur ein maritimes Wochenende, sondern ein recht maritimer Urlaub, von dem ich gerade zurückgekehrt bin. Einer Woche Kroatien folgten noch ein paar Tage Triest (mit einem Tagesausflug ins slowenische Koper). Hat Spaß gemacht - ich kann euch aber nicht versprechen, dass es dazu Bilder gibt, da Tage nach Ostern schon gleich wieder stressig werden.

    George N. W. Cavendish-Bentinck (M.O.R.N.)

  • Wie versprochen noch ein paar Bilder aus Gdansk.

    Nach dem Besuch des Museums ging es am Ufer der Mottlau zur Most Krowi, der Kuhbrücke. Hier wurden früher Kühe zum Schlachthof getrieben, daher der Name. Vor dem Eingang zum Wachsfigurenkabinett begrüßten wir noch den Bruder von Hagrid. grins1

    Und am anderen Ufer der Mottlau ... ich hatte es ja weiter oben in Gdynia bereits angekündigt:

    Es sollte übrigens nicht das letzte Gefährt dieser Art gewesen sein, dem wir auf unserer kurzen Reise begegneten...

    Dieses Schiff machte sich grad zur Abfahrt bereit. Achtet im ersten Bild auf die Brücke rechts im Bild. Die wurde dann gedreht.
     

    An diesem malerischen Panorama - in der Mitte das Frauentor - durfte das Teil dann vorbeifahren.

    Wir gingen dann über die Kuhbrücke zum Grünen Tor. Dieses imposante Gebäude heißt so, weil es früher eine grüne Fassade hatte. Der eine oder andere kennte es als namensgebend für den letzten Band einer maritim-historischen Trilogie - und genau dieses Gebäude ist es auch. :sun:

    Dann steht man wieder in der Altstadt - ein Blick zurück nochmal auf das Tor.

    Hier sehen wir den imposanten Rathausturm mit einem herrlichen Glockenspiel, davor den Neptunbrunnen.

    Und das wir war auch sehr interessant - wusste man auch nicht, dass Fahrenheit in Danzig geboren wurde.

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