Narodowe Muzeum Morskie - Gdansk

  • Der Tammpel Polens

    Nicht jeder kann mit dem Begriff "Tammpel" etwas anfangen, daher die kurze Erklärung: Als der leidenschaftliche Sammler von maritimen Devotionalien jeglicher Art, Professor Tamm, seine unglaublich riesige Sammlung der Stadt Hamburg vermachte, mit der Auflage, daraus über eine Stiftung ein Museum zu machen, und dieses dann 2008 im Internationalen Maritim Museum im Kaispeicher B in Hamburg seine Realisierung fand, wurde das für die Stammuser dieses (und des Vorgängerforums) zu einer "Pilgerstätte", einem "Heiligtum" - dem "Tammpel" eben. grins1

    Das National Maritime Museum in Gdansk kann größentechnisch nicht ganz mithalten - aber die Qualität dieses Museums ist mindestens ebenbürtig. In Gdansk selbst gehört neben dem in fünf nebeneinander liegenden ehemaligen Speichern befindlichen Hauptsitz noch das Krantor sowie ein maritimes Kulturzentrum gleich gegenüber und das Museumsschiff Soldek (ehem. Kohle- und Erzfrachter) dazu. In Gdynia die Dar Parmoza sowie drei weitere kleinere Museen in Tczew, Kąty Rybackie und Hel sind weitere Zweigstellen.

    Hier soll es einzig um den Hauptsitz gehen.

    Schon das Ambiente - ehemalige Speicher - bieten den idealen Rahmen für die Ausstellungen. Man sieht es auf den Fotos - gut gepflegte Planken bedecken den Fußboden (im Erdgeschoss Steinplatten), die dicken Backsteinwände und die alten Holzbalken sorgen für Wohlfühlatmosphäre. Damit ist der Rahmen gegeben - schauen wir uns nun die Inhalte an.

    Im ersten Raum finden wir jede Menge Geschütze, Waffen, Gemälde und Erklärtafeln.

    Was gefallen hat: In jedem Raum gab es am Eingang einen Behälter mit Kladden in verschiedenen Sprachen, die man dann am Ende des Raumes wieder in einen Behälter ablegen konnte - im nächsten Raum gab es ja die zu diesem Raum passenden Erläuterungen.

    Dann ging es weiter mit den Anfängen der Schifffahrt im baltischen Raum.

    Um es gleich an dieser Stelle zu klären: Das wird jetzt kein kompletter Rundgang durch das Museum - dieser Thread soll Lust darauf machen, selbst nach Gdansk zu fahren und dieses wunderbare Museum zu genießen. Aber es kommen noch einige Bilder, keine Bange...grins1

  • Das letzte Bild des vorigen Postings zeigt schon den nächsten Bereich, das Mittelalter. Hier steht dann auch die Handelsschifffahrt im Mittelpunkt, wobei der Flussschifffahrt (was für ein tolles Wort. Drei "s" und drei "f" auf einmal!grins1) breiter Raum eingeräumt wird. Da wäre zum Beispiel diese große Vitrine, die die Handelswege der damaligen Zeit aufzeigt.

    Hier sieht man die Frachtkäne. Stromabwärts und mit günstigem Wind mög das noch gut gelaufen sein, aber stromaufwärts und/oder bei Gegenwind und mit voller Fracht hatten die Männer an den langen Rudern Schwerstarbeit zu leisten.

    Bevor die Waren verladen werden konnten, mussten sie natürlich gewogen werden. Sehenswert dazu diese Vitrine:

    Und offenbar ist eine in Deutschland bekannte Wurstfirma älter als wir dachten:

    grins1

    Immer wieder trifft man im Museum auf beeindruckende Dioramen.

    In diesem Lichtschacht entsteht etwas Neues - die von der Decke hängenden Modelle machen schon mal neugierig:

    Und jede Menge Schiffsmodelle, und auch die Santa Maria fehlt hier nicht.

    Und weiter geht's.

  • Sehr interessant und so in anderen maritimen Museen auch eher wenig zu sehen ist das Thema Unterwasserarchäologie. Hier gibt es echt viele Fundstücke zu sehen, und die speziell von zwei Schiffen - der schwedischen Solen aus der Schlacht von Oliva und der General Carleton, einem britischen Frachtschiff von 1777.

    Und wir sehen, dass der Wunsch, mittels Hilfsmitteln möglichst tief unter Wasser zu gelangen, noch nicht von wissenschaftlichem, sondern eher monetären Interesse geprägt war. Dennoch - es brachte das Tauchen und somit auch die Unterwasserarchäologie voran.

    Die eben erwähnte Solen (38 Kanonen) war das schwedische Flaggschiff in der Schlacht von Oliva. Als das Schiff zur Mittagszeit von den Polen geentert wurde, sprengten die Schweden es selber in die Luft. Danach machte dann der Spruch "Die Sonne (schwedisch: Solen) ging an Mittag unter." die Runde.

    Und natürlich widmet sich auch dieses polnische Museum der einzigen Seeschlacht, die für die polnische Marine siegreich ausging. Dazu mehr im folgenden Posting.

  • Die Schlacht von Oliva

    So eine Medaille hätte man auch gern. Mal schauen, ob da was zu holen ist... Ah, das sieht hier interessant aus:

    Boh, ein Kanonendeck!

    Doch warte mal... Ach, nur ein halbes. grins1

    Aber echt: Die Täuschung war erst mal glaubhaft - ich möchte nicht wissen, wie oft das Personal die Spiegel putzt, weil da jemand dagegen rennt. fr21

    Die Deckshöhe erscheint mir ein wenig idealisiert.


    Aber egal - ran an den Feind!

    Das war lustig: Hier konnte man virtuell laden, zielen und dann im richtigen Moment die Kanone abfeuern. "In der Aufwärtsbewegung!" :Pirat3:

  • Ich erwähnte vorhin Dioramen. Dann mal noch das hier:

    Man erkennt das Krantor - schaut man hinter der Vitrine aus dem Fenster, sieht man es im Original.

    Und dann das hier - ein riesiges Teil, bei dem man einfach nur mit feuchten Augen und fetter Erpelpelle da steht und gar nicht weiß, wo man zuerst hinschauen will. Eines DER Highlights in diesem Museum, ohne Frage. fr18:love:

    Man sieht den Bau eines Schiffes von der Kiellegung bis zum Auftakeln nach dem Stapellauf. Endlos viele Details, einfach nur faszinierend.

    Und das Staunen geht weiter.

  • Weitere Modelle und andere Objekte - und an einer Stelle zuckte ich mächtig zusammen:

    Meine Mercury! Aber nein - es ist die HMS Juno, sie gehörte zur Amazon-Class, nicht zur Enterprize-Class. Die vielen Ähnlichkeiten sind dennoch auffällig.

    Und noch mehr Modelle...


    Eine Scheibe Victory gefällig? Und die hier ist richtig groß, wie man hier sieht:

    Die Vic steht auch noch als ganzes Modell da - etwas kleiner natürlich. grins1

    Auch das Thema Navigation wurde umfangreich dargestellt.

    So langsam kommen wir zum Ende dieses Threads...

  • Das ist jetzt das letzte Posting zu diesem Museum. Das heißt aber nicht, dass nach dem, was ich bisher gezeigt habe, gleich der Ausgang kommt. Seht selbst - und am Ende kam dann ja auch noch der ganze modernere Kram grins1.

    Passt so gar nicht in dieses Forum - aber selbst das war mal sehr interessant:

    Zum Abschluss dann noch das alte und das neue polnische Segelschulschiff - das eine kann, wie berichtet, in Gdynia besichtigt werden, das andere schippert auf den Weltmeeren umher und ist immer mal wieder auf den bekannten Sails anzutreffen.

    Ja, ein Fazit erübrigt sich ja fast - ich denke, aus jeder Zeile meiner Museumsvorstellung strahlt die Begeisterung für dieses unglaublich tolle Haus. Also ab ins Auto, den Flieger, aufs Rad - wie auch immer: Schaut euch dieses Museum an! :huzzah:fr18:sun::wink::love:

  • ich denke, aus jeder Zeile meiner Museumsvorstellung strahlt die Begeisterung für dieses unglaublich tolle Haus.

    Oh ja, das tun sie! Sehr schöner Bericht, herzlichen Dank für diese tollen Eindrücke. Sollte ich Gdansk anlaufen im Juni und genügend Zeit für einen Landgang haben, werde ich mir das Museum vormerken!

    Beste Grüsse

    Peter

  • nene. Mein Chef zahlt... da darf ich nicht ins Ausland zum Tanken.

    Aga

    Gentlemen, when the enemy is committed to a mistake, we must not interrupt him too soon.

    Adm. Horatio Nelson

  • Bonden April 4, 2026 at 1:06 AM

    Added the label Europa

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