Posts by Bonden

    Um mal einen kleinen Blick ins Nähkästchen meiner Lektoratsbemühungen zu erlauben: Manchmal sind es unscheinbare Kleinigkeiten, die einem auffallen und bei denen man dann nachforscht. An zwei Stellen schreibt Speedy davon, dass Schiffe "noch eingemottet" seien. Was gemeint ist, ist klar: Nach dem Frieden von Amien wurden auf beiden Seiten viele Kriegsschiffe außer Dienst genommen und abgerüstet. Da habe ich dann mal recherchiert, ab wann dieser Begriff üblich wurde. Heutzutage steht der Begriff für das zeitweilige Einlagern oder Stilllegen von Dingen (Autos, Gartengrills, Glühweinbuden...). Was ursprünglich damit gemeint war, ist sicher den meisten bekannt: Früher schützte man die Kleidung mit Mottenkugeln vor Mottenfraß. Allerdings kam der Begriff "einmotten" erst im 19. Jahrhundert auf. Also habe ich Speedy an diesen beiden Stellen vorgeschlagen, eine andere Formulierung zu verwenden. :)

    Hat etwas gedauert, aber heute bin ich mit der ersten Lesung fertig geworden. Und unabhängig davon, was der Meister Speedy aus meinen kleinen Abriss- und Umbauvorschlägen macht: Freut euch auf ein weiteres spannendes Abenteuer von Henry du Valle! Es geht richtig zur Sache, und es macht einfach nur Spaß, die Geschichte zu lesen. Und - Achtung, Spoiler! - Henry überlebt auch diesen Band. fr21

    In der zweiten Hälfte kommt Matt dann völlig mühelos als einfacher Seemann im Schlepptau von Sir Sidney Smith in die große Kajüte von Admiral Hood oder zur Verhandlung mit Colonel Bonaparte. Und überall gibt er ungefragt seinen Senf dazu, ohne dass außer mir jemand zusammenzuckt.

    Besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können - das ist auch mein großer Kritikpunkt an dem Buch. Aber ok - ohne diesen kleinen Kunstgriff ("mein persönlicher Adjudant...") hätte das Buch so nicht funktioniert.

    Habe das Buch vor wenigen Tagen ebenso verschlungen wie es Speedy tat. Ich war begeistert von der Sprache des Autors, sehr bildhaft, lebendig, fesselnd. Und wie Speedy schon schreibt: Mit Sir Sidney scheint er sich intensiv beschäftigt zu haben. Ich musste selbst erst mal nachlesen und muss im Nachgang sagen: Wieso gibt es über diesen Mann noch keine Buchreihe? Das ist doch Stoff für mindestens ein Dutzend Romane! fr18grins1

    Insgesamt gebe ich auch :5*:.

    Das 1:10-Modell eines Ausbildungsschulschiffes der Seefahrtschule Riga ist beeindruckend und durch das Fehlen einer Vitrine besonders gut zu bestaunen.

    Und da rechts lauert schon der letzte Ausstellungsraum.

    Hier findet man dann mit den Modellen der Sedov und der Krusenstern zwei noch aktive russische Segelschulschiffe, die hier wohl gut bekannt sein dürften.

    Ein letzter Blick, auch auf ein paar Dampfschiffe, von denen es dort noch mehr zu sehen gibt, dann sagen wir auch schon Tschüss.

    Ein echt schönes Museum, durch die vielen Begleitmappen auch höchst informativ, die Objekte werden überwiegend toll präsentiert - alles in allem also mal wieder ein Museumsbesuch, der sich lohnt und den man als maritim-historisch Interessierter nicht bereut. :thumbup::sun:

    Auch hier wieder: Gute Erläuterungen. Die ausgestellten Modelle sind überwiegend von sehr guter Qualität und zeigen anschaulich die Entwicklung des Schiffbaus.

     

    Ein wunderschönes Modell der bekannten Fleute "Derflinger" in einer großen Vitrine konnte man gut von allen Seiten bestaunen.

    Ok, zwei Modelle, die bereits im 19. Jh. gebaut wurden, bildeten jeweils einen krassen Kontrast zwischen Rumpf und Takelage. Während alles oberhalb der Reling wirklich gut gebaut war, erinnerte der Rumpf an etwas, was ich gemeinhin "Pizzeriamodell" nenne.

    Und natürlich darf auch hier eine Santa Maria nicht fehlen. grins1

    Dann ging es in der Zeit weiter.

    Beim nächsten Bereich ist der Ausstellungssaal allein schon ein Museumsobjekt.

    Rund ein Drittel der Bewohner Rigas damals waren sog. Deutschbalten, daher war deutsch eine wichtige Sprache, auch für höchst offizielle Dinge. Es soll ja niemand sagen können: "Aber das wusste ich ja gar nicht!"

    Das galt dann eben auch für die Flussschifffahrt. Das Modell eines Flussfrachtschiffes ist interessant; die passende historische Abbildung hängt dahinter.

    Weltweiter Handel, u.a. auch mit so einem schmucken Schiff.



    Die letzten Bilder dann als Vorgeschmack für den wirklich wichtigen Teil des Museums. grins1

    Das Museum der Geschichte der Stadt Riga und der Schifffahrt ist das älteste öffentliche Museum des Baltikums und eines der ältesten in Europa. Es ist mitten in der wunderschönen Altstadt zu finden, das Gebäude gehört zum Ensemble des Rigaer Doms. Die Geschichte Rigas ist seit Anbeginn eng mit der Schifffahrt verbunden - kein Wunder bei der Lage Rigas direkt am Meer. Das Thema Schifffahrt hat zwar einen eigenen Bereich, aber man findet auf dem Weg durch die Ausstellung immer wieder Ausstellungsstücke zu Seefahrt und Meer.

    Als sehr gut und vorbildlich empfanden wir die Tatsache, dass es am Eingang eines jeden Bereiches Informationsmappen und in mehreren Sprachen - lettisch, russisch, englisch und auch deutsch - gab.

    Zu den Anfängen der Schifffahrt zählt dann dieser Fund eines Bootes aus dem 12. Jh.


    Die alten Anker sind interessant - der Ankerstock noch aus Holz, für die nötige Schwere sorgte einfach ein großer Stein.

    In einem der nächsten Bereiche ging es um die Zeit polnischer und schwedischer Herrschaft von 1581 - 1710. Wir lernen, dass Missetaten auch hier, wie überall im Mittelalter, recht drastisch bestraft wurden, was hier beispielhaft mit den Exponaten mit der Nr. 18 gezeigt wird. =O

    Nun, alles in allem war das für uns jetzt nicht das Highlight, was aber natürlich an unserer speziellen Interessenlage liegt. Ein fettes U-Boot, jede Menge Krams und Modelle aus der Kategorie Graue Flotte, viele Sportboote (Segeln, Ruder...) und natürlich auch Wasserflugzeuge. Immerhin, auch hier die Reste eines ausgegrabenen ganz alten Frachtschiffes, auch hier wieder mit interaktiven Möglichkeiten, mehr zu erfahren.
     

    Dann gab es noch eine Ecke, in der eine (Sonder?)Ausstellung zu maritimer Kunst zu finden war - da gab es dann auch für uns wieder etwas Schönes zu sehen.

    Für Familien mit Kindern bietet dieses Museum schon echt viel, und da gab es dann auch diesen Platz, wo die lieben Kleinen stempeln und auch selber malen konnten.

    Da konnte sich dann der liebe Große auch nicht mehr halten - und so hängt dort jetzt eine Attraktion mehr, ein echter Bonden! grins1

    Falls jetzt fragen kommen: Signiert ist das Werk auf der Rückseite - der Kenner erkennt den Meister sowieso. fr21

    Nach so viel Mühe darf man sich dann auch mal ausruhen.

    Damit endet dann diese Museumsvorstellung und hat hoffentlich neugierig gemacht. :wink::sun:

    Auch Leuchttürme waren hier noch einmal ein Thema - die Geschichte selbiger über Jahrhunderte hinweg, mit feinen Modellen der bekanntesten Leuchttürme dieses Seeraumes. Auf einer interaktiven Fläche konnte man für jedes Jahr von 1531 bis 2019 sehen, wo Leuchttürme standen, woraus sie gebaut wurden und womit das Leuchtfeuer erzeugt wurde. Sehr spannend!

    In der Etage drüber dann Dampfschiffe - auch hier nur zivile Schiffe, bis hin zu modernen Teilen - und auch die "Titanic Estlands", die Fähre Estonia, ist dort zu finden.

    Die Dachterrasse haben wir dann auch noch besucht, auch wenn das dortige Café erst im Sommer wieder geöffnet hat. Aber der Blick über die Altstadt ist lohnenswert.

    An dieser Stelle dann schon mal ein Zwischenfazit: Die Dicke Margarethe ist auf jeden Fall einen Besuch wert! fr18:sun:

    Dann machten wir uns auf den Weg zum Hafen, um die Außenstelle des Museums zu besuchen.

    Draußen jede Menge große, alte Blechkähne und ein großer, alter Kran. Ansonsten geht es dann in einen ehemaligen Wasserflugzeughanger.

    Auch hier wieder viele interaktive Möglichkeiten. So konnte man sich an diesem Bildschirmen durch jede Menge Schiffstypen arbeiten.

    Hier erfuhr man durch Antippen einzelner Personen etwas über die Aufgaben einzelner Mannschaftsmitglieder - so manche kleine Geschichte war höchst interessant, wie diese hier von Steuermann Tönissoo grins1:

    Schiffbau war auch ein Thema - das in Bild 2 ist ein Handschutz des Segelmachers.

    Seekisten, Steuerräder...

    In einem kleinen Raum gab es etwas zum Thema Navigation.

    Eine derzeit laufende Sonderausstellung beschäftigt sich mit dem Thema "Leuchttürme auf Briefmarken". Ja, warum nicht? Auch spannend!


    Kommen wir dann zu Ebene 2 - die Segelschiffe. Uns hat gefallen, wie die spezielle Bauform der Gebäudehülle hier in die Präsentation der schönen Modelle eingeflossen ist. Auffällig war auch, dass es kein einziges Modell eines Kriegsschiffes gab. Wir Nelson-Aubrey-Hornblower-Verseuchten sind ja sowas gar nicht mehr gewöhnt! grins1 Aber ehrlich: Uns hat nichts gefehlt. fr18

    In einem ehemaligen Kanonenturm eines Stadttores der mittelalterlichen Stadtmauer von Tallin befindet sich das estnische Meeresmuseum. 20 Gehminuten entfernt hat dieses Museum direkt am Hafen noch eine Außenstelle - dazu später mehr.


    Auf 4 Etagen werden hier die Geschichte der Schifffahrt gezeigt, ebenso die Fischerei, der Schiffsbau und die Navigation, dabei natürlich immer besonders mit dem estnischen Bezug.

    Ich werde hier wieder schwerpunktmäßig alles zum Thema Segelschifffahrt vorstellen. Gleich im Eingangsbereich empfangen einen die gut restaurierten Teile eines Koggenfundes aus dem Jahr 1990. Mit wissenschaftlichen Methoden hat man herausgefunden, dass dieses Schiff aus der Zeit 1250 - 1320 stammt. Der Fund selbst und die anschließende Ausgrabung und Bergung wurde umfangreich dokumentiert, und wie an vielen anderen Stellen dieses Museums auch kann man sich an interaktiven Bildschirmen umfangreich - und auch auf deutsch - informieren.

    Schlendern wir noch ein wenig umher:

    Ein nicht genannt sein wollendes Forumsmitglied wollte, dass ich der Kuh einen Kuss gebe - wahrscheinlich hat er sich, als er nur wenige Tage vor uns ebenfalls hier war, nicht getraut.fr21

    Der nette Herr hier vor diesem altehrwürdigen Lokal lud zum Gasthausbesuch ein. Dem kamen wir dann am folgenden Abend gern nach - nur um dort zu erleben, wie da ein gar heftiges Hauen und Stechen losging. =O

    (Hinterher hatten sich aber alle wieder lieb.)

    Das bekannteste der noch erhaltenen Stadttore ist die Große Strandpforte mit dem Kanonenturm "Dicke Margarethe".

    Der Turm verdient aus einem ganz bestimmten Grund hier eine besondere Erwähnung: Heutzutage beherbergt er das Estnische Maritime Museum.

    Darüber gibt es bereits einen gesonderten Bericht - an dieser Stelle nur soviel: In diesem Museum steht kein Modell der Santa Maria! =Ogrins1 Und dennoch ist es sehr schön. ;)

    Tja, und das war es dann auch schon an dieser Stelle an Berichterstattung von unserer Baltikumtour. Uns hat es großen Spaß gemacht, wir haben uns zu keiner Zeit gelangweilt, und davon abgesehen, dass es doch noch recht nordisch kühl war, hatten wir fast alle Tage wirklich schönes Wetter.


    Und so sagen wir dann Tschüss Tallin, tschüss Baltikum! :wink::sun:fr18

    Der Zwischenhalt in dem kleinen, beschaulichen Kapitänsdorf Käsmu bescherte uns ein ganz besonderes Museum. Darüber wird demnächst im Museumsbereich zu lesen sein - für heute nur soviel:

    Auch hier, wie in (fast) jedem maritimen Museum, darf eine Santa Maria nicht fehlen.

    fr21

    Dann ging es aber weiter in die estländische Hauptstadt Tallin. Aus den Romanen aus "unserer" Zeit kennen die Stadt die meisten als Reval, bis 1918 war das auch noch die amtliche Bezeichnung. Die Talliner Altstadt wurde 1997 in das UNESCO-Kulturerbe als „außergewöhnlich vollständiges und gut erhaltenes Beispiel einer mittelalterlichen nordeuropäischen Handelsstadt“ aufgenommen. Geht man dann selbst durch diese Altstadt, kann man diese Entscheidung nur gutheißen. Von der ursprünglich 2,35 km langen Stadtmauer stehen immerhin noch 1,85 km, von den 40 Türmen sind noch 28 erhalten bzw. liebevoll restauriert.

    Übernachtet haben wir noch in Lettland, in Valmiera - aber zu diesem Ort gibt es nun wirklich nichts Bemerkenswertes zu berichten.

    Der Grenzübertritt war diesmal schon etwas speziell: Wir sind in die kleine Stadt Valka gefahren. Und an diesem Grenzpfeiler...

    ...schaut man einmal um die Ecke, hat immer noch den selben Pfeiler vor sich, befindet sich jetzt aber in Valga und ist in Estland.

    Die Grenze - die als solches überhaupt nicht zu erkennen ist - geht hier mitten durch den Ort. Wir haben jetzt nicht das Pendant zum Ratrhaus von Valga gesucht - aber es gibt es.

    Unser Tagesziel war Tartu; unterwegs haben wir noch einen schönen Nationalpark besucht. Hier haben wir eine sehr schöne Wanderung durch die Natur genossen und dabei nur dieses eine Bild aufgenommen:

    Tartu ist die zweitgrößte Stadt Estlands (ca. 100.000 Einwohner). Erstmals urkundlich erwähnt wurde sie bereits 1030 und ist damit die älteste Stadt im gesamten Baltikum. 2024 war sie eine von drei europäischen Kulturhauptstädten. An Sehenswertem werden in erster Linie die vielen Kirchen und der Dom genannt. Aber eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten ist die Brunnenskulptur "Küssende Studenten". :*:* Der Legende nach soll das verliebte Studentenpärchen eines Tages durch die Altstadt gezogen sein, als es plötzlich anfing zu regnen. Schnell spannte der Mann den Schirm auf, und das Paar küsste sich. Sie wünschte sich in dem Moment, dass es so immer bleiben möge zwischen ihnen. Der Wunsch wurde prompt erfüllt: Ein blauer Blitz traf sie, und sie erstarrten zu Stein. Man sollte sich also stets gut überlegen, was man sich wünscht...grins1

    Ein gemütlicher Altstadtbummel und der Besuch eines kleinen, aber feinen Craftbierlokals lässt uns Tartu auf jeden Fall in angenehmer Erinnerung bleiben.

    Am nächsten Tag lenkten wir dann unsere Metalldroschke zum finalen Zielpunkt unserer Reise: Tallin. Was wir auf der Fahrt dorthin für einen bemerkenswerten Ort besucht haben, erzähle ich euch demnächst. Aber wer gut mitgezählt, weiß, dass von den eingangs erwähnten vier Museen mit maritimen Bezug erst zwei erwähnt wurden... 8) Es gilt also wieder einmal das Motto:
    Bleiben Sie schön neugierig! :wink: