Posts by Angarvater

    Aye Bonden, gute Arbeit.

    Ich habe die stehende Part der Seitentakel jeweils etwas länger gemacht, um nicht mit dem Laufenden der Rahen und ggf. den Schwichtungen in Konflikt zu kommen. Ich habe in die stehenden Parten Kauschen eingezeist, und in diese jeweils die oberen Blöcke eingebunden und die Enden gezeist.
    Dabei habe ich je Untermast einen Zug mit einem Zweischeibenblock ( unten ) und einem Violinblock oben, und einen Zug mit einem kräftigen Einscheibenblock ( oben ) und einem darunter laufenden Zug mit Zweischeibenblöcken getakelt. Das entsprach nach längerem Suchen den Angaben von Hoving und Anderson, und erschien mir ganz plausibel. Vor allem die zweite Variante, so zeigte es sich beim Versuch ist durchaus geeignet einen etwas aus der Richtung gekommenen Mast problemlos ins Lot zu Trimmen.


    Im übrigen gesagt, Takeln ist eine der interessantesten Arbeiten am Modell. Nicht nur das Ausweben der Wanten ist eine Geduldsarbeit, auch das Takeln von ( im Fall der Witsen ) mehr als 230 Blöcken mit ihren Seilen, bedarf einer gewissen Geduld und Ausdauer. Aber nun ja bei Handwerksarbeit geht nichts ohne beides, Beharrlichkeit und Ausdauer. Können wäre auch ganz gut.

    So, Schluß mit der Handwerksphilosophie, auf der Witsen sind noch etliche Restarbeiten zu machen.

    Cheers! Angarvater

    Aye, Mates!

    Die Takelung der Witsen ist gerade eben fertiggestellt worden. Die Anker und die Hecklaternen sind in der Fertigung, sodaß der Bau der Pinas wohl in der nächsten Woche beendet sein wird. Die Fahnen sollen Ende der Woche an Bord kommen.

    Hier einige Bilder von heute morgen.




    ich habe mir, bevor ich das Vorgeschirr fertiggetakelt habe nochmal das Modell der Royal George in der Leibniz Uni, Hannover angesehen. Das erschien mir probat, da das Modell 1715 vo Grindling Gibbons gebaut wurde und, nach Aussage des das Modell Betreuenden zweimal (dokumentiert) sehr korrekt restauriert worden ist. Somit habe ich einiges gegenüber den Darstellungen der Fachliteratur anders gemacht.

    Interessant finde ich auch, daß auch bei der Royal George die Rahen vierkant gebrasst sind, und das Besansegel untergeschlagen gezeigt wird.

    Nochmal nachgezählt habe ich jetzt insgesamt 234 Jungfern und Blöcke angefertigt und eingebaut. Beim nächsten Schiff notiere ich auch mal wieviel Meter Seil benötigt werden.

    Cheers
    Angarvater

    Aye, Bonden,

    Bezüglich der Takelarbeiten insbesondere am Spritmast gibt es meiner Erfahrung nach zwischen den einzelnen ehrenwerten Autoren etliche zum Teil widersprüchliche Darstellungen. Interessant ist zur Klärung diverser Fragen das Modell der Royal George, 1721 gebaut, das sich in der Leibnizuniversität, Hannover befindet. Das Modell kann besichtigt werden. Nach Aussage der Uni ist die Takelung zwar zweimal restauriert worden, dies soll aber sehr korrekt gemacht worden sein. Es dürfte sich um eines der authentischsten Modell, zeitnah zur ZP hergestellt, handeln.

    Da es ja außer der Arbeit an der Witsen noch einiges anderes zu erledigen gab, schritten die Takelarbeiten nur langsam voran, wobei aber auch die "Dichte" der zu Deck geführten Seile das Takeln nicht gerade zum Spurt werden ließ.

    Stand der Dinge: alle Segel an den Masten sind getakelt. Dabei wurde das untergeschlagene Besansegel nochmal nachgearbeitet und auch das Besanmarssegel mittels der alten Methode ( Sprühstärke und Fön) in Form gebracht.

    Hier nun ein paar Bilder dazu.


    Soweit so gut. Als nächstes werden die Blinde und das Spritmastsegel getakelt. Beide Segel sind schon gefertigt und an ihre Rahen "angenäht", sodaß nur noch die Blöcke des Laufenden dran müssen. Aber da liegt eine der kleinen Schwierigkeiten, da ich einen Teil dieser Blöcke noch machen muß. Heißt geschätzt nochmal 4 - 5 Stunden Arbeit, was aber nichts weiter ausmacht, da das einfach dazugehört. Damit dürfte sich die Gesamtzahl der Blöcke auf 221 erhöhen.

    Ach ja, es fehlen noch die vier Anker, zwei oder drei Hecklaternen und ein Beiboot. Ergo bis zur Ablieferung des Neubaues dauert es noch eine Weile

    Ihre Ladyschaft arbeitet gerade an der Fertigung der Fahnen.

    Cheers! Angarvater

    Wirklich beeindruckend, wie viel Geld und Arbeit die Holländer in Verzierungen gesteckt haben. Wo sind da die nüchtern kalkulierenden Pfeffersäcke?

    Bei Kampfschiffen spielte wohl auch damals das Geld kaum eine Rolle.

    Aber auch bei den Handelsschiffen, zumindest den größeren Typen, zeigten die Reeder mittels des Dekors wer man war, zumal der Reeder ein Typschiff orderte, an dessen Ausführung er, außer dem Dekor, nur die Größe beauftragen konnte. Hieß also: ein Pinasschiff, x Fuß lang, wie üblich. Heckverzierung , und sonstiges Dekor nach Absprache, und oder entsprechend den beigefügten Skizzen.

    Aye, Bonden,

    Zuerst habe ich gedacht, daß ich das Besansegel trotz allem voll gesetzt zeige. Insbesondere, da ja ihre Ladyschaft gerade in dieses Teil, etliches an Arbeit hineingesteckt hat. Ich zeigte ihr das ganze, und sie sagte sinngemäß dazu, daß ihre Arbeit ja dadurch nicht abgewertet würde, wenn ich das so in der "Betriebssituation" darstelle.

    Erinnert mich an Baukollegen, die den Rumpf komplett ausbauen, was man nie wieder sehen kann.

    Die Golden Hind ist aus einem trivialen Grund in den Werfthafen verholt worden. Zum einen hat sie einen ihrer Anker demoliert, ( habe ich versuchsweise mal nicht aus Messing, sondern aus Plastik gemacht, was sich nicht bewährt hat) zum Anderen wird ihr alter Liegeplatz derzeit schon für die Witsen vorbereitet.

    Oder sollte ich mir noch eine Anekdote aus Drakes Zeit ausdenken?

    Das Besansegel ist jetzt an Ort und Stelle am Mast angekommen.

    Da die Witsen auf vollem Vorwindkurs läuft stellte sich mir die Frage nach der Wirksamkeit des Besans auf diesem Kurs. Ich habe das Segel versuchsweise so weit wie möglich aufgeheißt. Da kommt bei dieser Takelung nicht allzuviel heraus. Keinesfalls lässt es sich, so wie es z.B. bei den Schebecken gang und gäbe war, auf "Schmetterling" setzten. Ich habe mir daher alles was ich an zeitgenössischen Bildern und Zeichnungen erreichen konnte, daraufhin angesehen. Spannend fand ich, daß die meisten dieser Schiffe, die auf Vorwindkurs dargestellt sind, sowohl das Besansegel, als auch das Besanmarssegel untergeschlagen fahren. Das erscheint mir auch segeltechnisch sinnvoll, da die beiden Segel am Kreuzmast auf diesem Kurs den Großmast erheblich bekalmen, was dem Vortrieb nicht sehr dienlich sein kann.

    Daher hier ein paar Blicke auf das untergeschlagene Besansegel.



    Diese "Wurst" ergibt sich, wenn man das Segel mit den Gordingen an die Rah holt und das Ganze dann noch etliche Male mit dementsprechenden Tampen an die Rah zurrt.

    Als nächstes kommt das Besanmarssegel dann. Mal sehn ob ich das auch voll oder noch nicht ganz mit den Gordingen an seine Rah geholt mache.


    Cheers!


    Angarvater.


    P.s. Wenn es jemand auffällt: ja, im Hintergrund liegt die Golden Hind zur Überholung im Dock.

    Die Takelung des Besan- oder auch Kreuzmastes ist besonders interessant zu machen. Zum Einen schweigt sich z.B. zu Mondfeld bezogen auf die Bagienbrassen bei einem mit Kreuzmarsstenge und Segel getakeltem Schiff aus, zum Anderen schreibt Anderson sinngemäß, daß nach seinen Erkenntnissen, zumindest im kontinentalen Schiffbau des 17. Jahrhunderts, es je nachdem auf die Ansichten der Takler ankam, ob z.B. die Bagienbrassen nach vorn oder nach hinten geführt wurden. Ergo: wie es mir gefällt.

    Vom Arbeitsablauf her ist das auch interessant. probat ist es erst die Bagienrahe zu takeln, da man dann noch ganz gut an die Dinge herankommt. Danach muß daß (lateinische) Besansegel getakelt werden, und danach das Kreuzesegel, da die Kreuzsegelbrassen auf die Besanrute laufen, und von da zu Deck.

    Nebenbei fällt mir dabei auf, daß, wenn man wie an mehreren Stellen dargestellt, die Besanrute zur Wende oder Halse umgeschifftet hätte, also von einer Seite des Mastes zur anderen geführt hätte, hätte man nicht nur die Takelung der Besanrute, sondern auch die Brassen des Kreuzsegels loswerfen müssen . Hmm, scheint mir sehr unwahrscheinlich. Sieht für mich so aus als hätte man die Rute, egal auf welchem Bug man lief, auf Steuerbord gelassen. Das gibt dann auf Backbordbug ein seltsames durch den Mast sozusagen geteiltes Segel. So sieht das auf den lateingetakelten Schiffen Arabiens heute noch aus.

    Hier ein paar Blicke auf und durch die Takelung des Achterschiffes. Allerdings noch ohne den Besan, der kommt morgen dran. Auch schon mit der Bagienrah ist da doch einiges an Seilen" unterwegs".





    Cheers!


    Angarvater

    Ein Bojer? Ein interessantes Schiffchen, das mir mal in einem Buch über die Seegeusen untergekommen ist.

    Den Spaniern machten die Seegeusen mit ihren Bojern heftig zu schaffen. Die Kähne waren relativ schnell, flachgehend und gut zu manövrieren. in den Küstengewässern und auch den Fließen und Tidengewässern kaum mit armierten Kampfeinheiten zu verfolgen und zu stellen. Zumal, und darüber regten sich die Spanier besonders auf, man sie nicht von den regulären Händlernbooten unterscheiden konnte. Aber was hat schon Sun Tzu in "Kunst des Krieges" sinngemäß geschrieben: wenn man die Kämpfer nicht von den Zivilisten unterscheiden kann, ist es unmöglich den Gegner in seinem Land zu besiegen. Das mußten sowohl die Spanier als auch viele andere Eroberer bis in jüngste Zeit erfahren.

    Bei diesen Schiffen kommt es ganz auf die Zeit an, in der der Bojer gebaut worden ist. Im 18. Jahrhundert wurden aus der Ursprungsform, deren Frachterversion auf die Helling kommen wird, wesentlich größere Handels- und Reiseschiffe entwickelt. Der Begriff Bojer wurde und wird bis in die Jetztzeit immer noch für etlich Spielarten von den auf den alten Rissen beruhenden Plattbooten bis hin zu etlichen Bauformen von Privatjachten verwendet.

    Zurück zur Pinas Witsen. Groß-und Vormast sind , bis auf die Fahnen, fertiggetakelt.Hier noch zwei Bilder von heute morgen. Nichts Aufregendes, aber, so finde ich, ganz nett anzusehen.


    Derzeit beginne ich mit der Takelung des Besan. Auch hier sind die Angaben der Fachautoren unterschiedlich, resp. widersprüchlich. Z.B. heißt es bei den Betrachtungen zur Besanrute bei einigen Autoren, daß das Rack und das Windereep leicht und schnell zu handhaben sein mußten, da man die Rute beim Wenden oder Halsen umschifftete.An anderer Stelle heißt es jedoch, daß dem nicht so war.

    Egal, mache ich doch was draus, was vielleicht funktioniert hätte.

    Cheers!

    Angarvater

    Da kann man ja fast schon mal nach dem nächsten Projekt fragen...grins1

    Warum auch nicht?

    Es wird entweder mit einem Boyer oder einem Wideship weiter gehen. Beides niederländische Handelsschiffe, die sowohl im Feederdienst für die Pinassschiffe und Fluiten als auch für die sonstige Küsten- und Binnenseefahrt eingesetzt wurden.

    Für beide Schiffstypen, und einige andere, habe ich die Baupläne von Ab Hoving in1:48 imWerftkontor.


    Cheers


    Angarvater

    Aye, Mates!

    Hier nun wieder einmal der Stand des Neubaues. Der Fockmast bekam sein Untersegel. Hierzu braucht es nicht viele Worte.






    Dabei fällt mir ein, daß ich bei der, eigentlich ständigen, Rechere bezüglich der Takelungsdetails auf eine Anmerkung über die Bezeichnung der Untersegel gestoßen bin. Und zwar schreibt Witsen in seiner Schrift von 1671, daß die Untersegel von Groß- und Fockmast nur bei leichtem Wind, also schönem Wetter gesetzt werden. Er bezeichnet sie daher als Schönwettersegel ! Das habe ich zuvor noch nicht gewußt. In den Arbeiten über die meistens beschriebenen Kampfschiffe findet sich dieser Terminus technicus m.W. nach nicht. Aber möglicherweise handhabte man das auch nur in der Kauffahrteischifffahrt so. Da galt ja dann auch (wie auch heute): fahr einen gute Durchschnittsgeschwindigkeit mit möglichst keinen Schäden an Schiffskörper, Maschine und Cargo. Die Kriegsmarinen sahen das wohl etwas anders.

    Cheers!
    Angarvater

    Aye, Mates!

    Der Großmast führt jetzt alle seine Segel. Was noch fehlt sind die Bulinen am Großbramsegel. Aber da ich im Klebstoffschapp nicht richtig hingesehen hatte fehlte, nachdem eine weitere Klebstoffflasche am Samstag geleert worden war, und der Griff ins Magazin ins Leere ging das nötige Gebinde. Dem konnte heute dann abgeholfen werden, da der Zulieferer auch seinen "Stadtverkauf" wieder geöffnet hatte, und das Nötige bereitstellte.

    Soweit so gut. Gerade fiel beim Aufklaren der Werft das Licht so wie es jetzt zu sehen ist auf die Witsen, und da konnte ich nicht widerstehen.

    Sic!



    Die Enden der Seile werden übergangsweise mit den Klemmen beschwert, und erst belegt (mit Cyanoacrylat geklebt), wenn ich sie am gesamten Mast fertig getakelt und noch mal durchgesetzt habe.

    Insgesamt kommen da doch so einige Seile vom Mast an Deck, obwohl u.a. die Bulinen auf dem Mittelschiff belegt werden.

    Als Abschluss der Tagesarbeiten werden dann noch die aufgeschossenen Enden zu Coils gerollt und angebracht. Das ist jetzt schon eine schöne Fummelei, die ich, wenn der Besan fertiggetakelt ist, nicht so gerne machen will.

    Cheers!


    Angarvater